Challenge Männeralltag - anfangen, selber hinter sich aufzuräumen

Klaus Ehrenfeuchter | 05.02.2018 |

  • Hanspeter Wolfsberger

Bad Liebenzell. Erklären kann man es kaum, aber der Männertag des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes der seit über 20 Jahren stattfindet, hat seit über zehn Jahren ungebremsten Zulauf aus ganz Süddeutschland. Auch dieses Jahr musste Männern abgesagt werden, weil nur knapp über 1.100 Plätze im Missions- und Schulungszentrum belegt werden können. So war auch am Samstag, 3. Februar 2018 wieder volles Haus.

Hauptreferent war Hanspeter Wolfsberger. Der inzwischen 69jährige badische Pfarrer war von 1993 bis 2003 Direktor der Liebenzeller Mission und leitet seit 2003 das „Haus der Besinnung“ in Betberg, südlich von Freiburg.

Er sprach über die Herausforderung im Männeralltag, seinen Mann zu stehen. Bei allen Erwartungen die auf Männer einströmten am Arbeitsplatz, durch die Ehefrau und Kinder, gelte es Ruhepausen und Zeit für Spiritualität und Frömmigkeit zu haben. Dies diene der notwendigen Orientierung. Männer müssten lernen aufzubrechen und loszulassen. Er kenne selber die Herausforderung im Ruhestand, sich zu fragen: „Was bin ich noch, wenn ich nichts mehr bin?“ Von Hans Bürki habe er gelernt: „Es geht auch anders“ und „es geht auch ohne“. Damit käme man durchs ganze Leben. Es gelte den eigenen Mann zu stehen, auch wenn es anders komme und gehe als zunächst gedacht.

Männer hätten oft das Gefühl: „Ich kann nicht genügen.“ Trotzdem gelte es Verantwortung für sich selber zu übernehmen und die eigenen Werte, Grenzen und Emotionen zu kennen und zu verteidigen. „Fange an, deinen Paschagelüsten zu widerstehen, auch wenn Du so erzogen bist… fange an, selber hinter dir aufzuräumen“, so der Theologe. Konkret hieße dies auch, sich für das Wohl und Wehe der Kinder zu interessieren. Selber, so Wolfsberger, habe er lernen müssen die Beziehung zu Kindern zurückzuerobern. In der Gemeinde sei er ein Leiter gewesen, zuhause ein Mitläufer.

Der Indianer, der keinen Schmerz kennt sei äußerst selten geworden. Körperlich und seelisch gehe es dem vermeintlich starken Geschlecht nicht so gut. Viele Männer bauten eine Lügenidentität auf, weil sie es anderen recht machen wollten und dies nicht funktioniere.

Auffallend sei auch ein steigendes „Add-on-Verhalten“, bei dem der einzelne zu seinen Aufgaben immer mehr dazu packe, ohne Dinge aufzugeben.

Da hinein dann auch die Frage: „Wo ist Gott?“ Wolfsberger leidet darunter, dass Männer praktisch so wenig Hilfe von Gott erwarten. „Wenn psychologischer Rat nicht hilft, wird es der biblische sicher auch nicht richten.“ Er wies dagegen auf den biblischen Abraham hin, der viele Enttäuschungen erlebt habe, sich aber von Gott nicht entfernte. Die Beziehung wurde stärker, das Gespräch mit Gott erwachte immer wieder neu. „Abraham klagte Gott die inneren Wunder und blieb ein Mann unter Gott.“

Quintessenz seines Leben: „Es ist nicht gut sich gegen Gottes Wort zu verhalten. Es wird viel mehr geschenkt als gemacht. Gnade entlastet.“

 

Andi Weiss aus München gestaltete den Tag musikalisch mit und verstand es mit passenden Texten sich ins laufende Programm einzubinden.

 

Niklas Ebert und David Höfer, zwei Studenten an der Internationalen Hochschule, stellten „Fight-Night“ vor, ein Konzept für Männer zwischen 16 und 35 Jahren. Dabei wird in einer Sporthalle ein Ring aufgebaut, in dem abwechselnd zwei Männer kämpfen. Bis zu 40 Männer stehen drum herum und feuern die beiden an, vor allem denjenigen, der unten liegt. Anschließend tauscht man sich darüber aus mit was man im Leben zu kämpfen hat und was einem hilft durchzuhalten und Dinge zu überwinden.

In Seminaren ging es unter anderem um Narzissmus, Achtsamkeit in der Ehe, um 70 Jahre Israel . Ein praktischer Arzt gab Tipps für Rücken- und Gelenkschmerzen.

Gegen Ende des Männertages eine Talkrunde bei der Klaus Ehrenfeuchter, der Leiter des Männertages und der Gemeinschaftsarbeit im Liebenzeller Gemeinschaftsverband, Fragen an Hanspeter Wolfsberger richtete. Eine war, wie sich Wolfsberger dagegen wappnete, als Leiter nicht in Einsamkeit zu versinken. Wolfsberger erzählte, wie er sich mit anderen Leitern traf, von denen er nicht abhängig war, die ihm sagen durften, ob er sich komisch entwickelt oder nicht. Bis heute trifft er sich mit vier anderen christlichen Leitern. „Die meisten Leiter scheiterten daran, dass sie sich ab einem bestimmten Punkt nichts mehr sagen ließen. Dem wollte ich entgegenwirken."

Hier geht es zum Bilderrückblick.

 


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