Seelsorge-Impulstag mit Prof. Dr. med. Samuel Pfeifer über seelische Gesundheit und den Beitrag der Seelsorge

Klaus Ehrenfeuchter | 09.05.2017 |

  • Seelsorge-Impulstag mit 250 Teilnehmenden.
  • Fotos: Martin Weik

Bad Liebenzell. Am Samstag, 6. Mai 2017 trafen sich 250 Seelsorgerhelfer und Berater zum Seelsorge-Impulstag. Hauptreferent war Prof. Dr. med. Samuel Pfeifer aus Riehen bei Basel. Die Initiative Seelsorge-Beratung-Bildung (isbb) des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes hatte ins Missions- und Schulungszentrum eingeladen.

Oberthema war „Seelische Gesundheit – was kann Seelsorge dazu beitragen?“ Prof. Samuel Pfeifer definierte zunächst „Seelische Gesundheit“. Er beschrieb die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO): „Ein psychisch gesunder Mensch kann seine Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv arbeiten und ist im Stande etwas zu seiner Gemeinschaft beizutragen.“ Dabei seien Gesundheit und Krankheit keine festen Grössen. Sie veränderten sich im Laufe des Lebens, je nach Lebensphase, Belastungen und Fähigkeiten zur Widerstandskraft (Resilienz). Ein Mensch sei seelisch krank, wenn es zur Verminderung der Genuss-, Beziehungs- und Leistungsfähigkeit komme. Die Psychologie hätte die Aufgabe auch gesunde Menschen sinnvoll glücklich zu machen. Er führte dabei die fünf Faktoren für glückliches Leben nach Martin Seligmann an: Positive Emotionen, Engagement, gute Beziehungen, Sinnhaftigkeit und Erfolg. Zudem sei Dankbarkeit ein wichtiger Gesundheitsfaktor.

In einem weiteren Referat ging Pfeifer der Frage nach was Reife ist. Ein unreifer Mensch sei von jedem Wind hin- und hergetrieben, sehr impulsiv, stark ich-bezogen, narzisstisch und vielen emotionalen Schwankungen ausgesetzt. Reife Menschen hätten eine realistische Selbst- und Fremdeinschätzung. Sie könnten sich selber und andere annehmen und würden bewusst in der Gegenwart leben und sich an Gegebenheiten anpassen und trotzdem flexibel bleiben. Reife Menschen hätten sich Werte gewählt und verinnerlicht. Zudem hätten sie eigene Gaben entwickelt und wendeten diese auch an. Samuel Pfeifer wandte die Reifemerkmale auch auf den christlichen Glauben an. Dabei ergäbe sich das Selbst- und Fremdbild aus der Perspektive Gottes. Zur Selbstliebe käme die Nächstenliebe. Der Christ lebe bewusst in der Welt und auch von der Ewigkeitsperspektive her. Seine Werte seien von der Bibel her geprägt und er entwickle seine Fähigkeiten, die als von Gott gegeben angesehen würden.

In einem Seminar ging Samuel Pfeifer auf Verbitterung und die Möglichkeit zur Vergebung ein. Menschen verbitterten aus Wut und Enttäuschung, weil sie nicht mit einem erlittenen Unrecht oder einer Kränkung abschließen könnten. Es mangle ihnen an Ressourcen, um Belastungen zu bewältigen und Probleme zu lösen. Es gelte Weisheitsfaktoren zu entwickeln, um gelassen und selbstsicher zu werden, Spannungen auszuhalten und Grenzen zu setzen, ohne Beziehungen abzubrechen. Wo es möglich sei zu vergeben setze dies zunächst eine persönliche Betroffenheit voraus und lasse Gefühle wie Wut, Schmerz, Trauer, Verzweiflung, Ohnmacht und Hass zu. Dann gelte es alles für den Seelsorger zu sortieren und „Verständnisarbeit“ zu leisten. Käme es zu einem Verzicht auf Rache und Verdrängung könne durch Vergebung eine Neuortientierung möglich werden.

Mit vielen Beispielen illustrierte der Facharzt seine 25jährigen Erfahrung als Chefarzt der psychiatrischen Klinik Sonnenhalde in Riehen bei Basel.

In weitere Seminare befasste sich Werner Schäfer mit Resilienz, der Kraft innerer Stärke. Andrea Kronester führte in die Entspannung nach Jacobson ein. Johannes Stockmayer referierte über Narzissmus mit den Möglichkeiten und Grenzen einer gesunden Ich-Entwicklung. Thomas Wirth gab Tipps zum Entschleunigen statt Beschleunigen und führte in ein Leben in Balance ein. Doris Mannhardt und Susanne Richter zeigten ein Kursangebot von „Stufen des Lebens“ unter dem Thema „Weil du ja zu mir sagst“.

Gebhard Weik interviewte Samuel Pfeifer über seine Erfahrungen mit einer schweren Krebsdiagnose vor über fünf Jahren. Pfeifer berichtete, dass es ein Wunder sei, wieder die volle Kraft zu haben und geheilt zu sein. Er habe sich jedoch die Sehnsucht nach der Ewigkeit erhalten und sehe manches seither nicht mehr so verbissen. Zudem könne er mehr das Leben bewusst genießen.

Gebhard Weik, der Leitende Seelsorger der isbb informierte über aktuelle Schulungsangebote der Initiative. Besonders gefragt sei ein viertägiger Workshop zum Thema „Krisen und Konflikte bewältigen“, der zum Friedensstifter ausbilde.

Gebhard und Marianne Weik leiten eine seelsorgerliche Beratungsstelle in Calw-Hirsau.

Sie bieten Hilfen bei Lebens- und Glaubenskrisen, bei Sinnkrisen, Verlusterfahrungen, Ängsten und Selbstwertstörungen, bei Beziehungskrisen, bei Depressionen und Burnout.

 

Außerdem bieten Gebhard und Marianne Weik Eheberatung, Ehetraining, Ehevorbereitung und Familien- und Erziehungsberatung an.

 

Die isbb verantwortet ein Seelsorgenetzwerk unter www.seelsorgenetz.org, bei dem fast 200 Frauen und Männer über ihre Seelsorge- und Beratungskompetenz informieren und kontaktiert werden können.


Vorläufiger Spenden-Endstand zum 12.12.2017

Anmeldung freigeschaltet!

Hier der Link zur Anmeldung der Frauentag und des Männertags!

MännerMail

Jeden Donnerstag gibt es (nicht nur) für Männer einen Impuls, was zum Schmunzeln, Gesundheitstipp u.v.m. - einfach mal testen! Hier geht's zur aktuellen Ausgabe!