Seelsorge-Impulstag mit Prof. Ulrich Giesekus

Klaus Ehrenfeuchter | 05.07.2016 | Kategorie: Verband

Am Samstag, 2. Juli 2016 veranstaltete die Initiative Seelsorge-Beratung-Bildung (isbb) des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes einen „Seelsorge-Impulstag“ im Missions- und Schulungszentrum in Bad Liebenzell. Hauptreferent war Prof. Ulrich Giesekus, der über "Sehnsucht Leben - Beziehungsnetze im 21. Jahrhundert" referierte und darüber sprach wie diese das Leben eines Menschen systemisch beeinflussen.

Über 220 begleitende und beratende Seelsorgerinnen und Seelsorger, sowie interessierte Gäste nahmen an dieser Fachkonferenz teil. Prof. Giesekus, der an der Internationalen Hochschule in Bad Liebenzell lehrt und eine psychologische Beratungspraxis in Freudenstadt leitet, referierte zunächst über die Entwicklung des Menschen im System Herkunftsfamilie. Dabei habe Bindung eine zentrale Bedeutung. Sie sei keineswegs auf das erste Lebensjahr beschränkt, sondern stelle einen lebenslangen Prozess dar. Für die gesunde Entwicklung des Menschen sei eine Bindungsperson nötig die eine „emotional sichere Basis“ für den einzelnen sein müsse. Geborgenheit und sichere Bindungen seien seelische Grundbedürfnisse. Dabei sei nicht nur die Bindung im Elternhaus entscheidend, sondern Bindung an andere Personen wie Eltern von Freunden, Erzieher, Jugendleiter und Personen könne auch positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung wirken, wenn von diesen Bindungspersonen Wertschätzung und Anerkennung vermittelt werde.

Gleichzeitig warnte Giesekus davor als Eltern zu starke Bindung an erwachsene Kinder zu haben. Diese störten die Elternehe. Eine starke Elternbindung bei erwachsenen Kindern mache diese liebesunfähig. Leitend sei für ihn ein Zitat von Virginia Satir, einer amerikanischen Familientherapeutin: „Die Elternehe ist der Architekt des Familiensystems“. Für Eltern sei es wesentlich die eigene Ehe und Beziehung zu pflegen, um stabilisierend auf die Familie zu wirken. Eltern sollten Kindern auch Reibeflächen bieten, denn: „Wer keine Reibefläche bietet, bietet auch keine Reifefläche.“ Die Mehrheit der schulpflichtigen Kinder lebe heute nicht mehr in einer traditionellen Familie. Trotzdem sei eine ungebrochene Sehnsucht nach der „heilen Familie“ vorhanden. Für christliche Gemeinden sei es wichtig einen sicheren Bezugsrahmen für Kinder und Erwachsene zu bieten. Außerdem sei zu vermitteln, dass es im eigenen Lebenskonzept nach gescheiterten Beziehungen noch einen „Plan B“ gebe. Man dürfe einen Menschen nicht aufgeben und müsse ihn ermutigen, auch in verworrenen Situationen neu zu starten.

In einem Workshop führte Giesekus in die Arbeit mit dem Genogramm an, bei dem die familiären Konstellationen von Menschen aufgezeichnet werden. Dabei gäbe es erstaunliche Erkenntnisse bei Betroffenen und mehr Verständnis für Entwicklungen und Prägungen in der eigenen Lebensgeschichte.

In seinem Schlussreferat ging er darauf ein wie heute Kommunikation und zwischenmenschliche Beziehung in einer digital vernetzten Gesellschaft möglich seien. Im Blick auf das Abtauchen in virtuelle Welten und Beziehungsstörungen im realen Leben durch überhöhten Medienkonsum meinte er: „Wer in echten Beziehungen gut zurecht kommt, kann die virtuelle Welt meistens angemessen begrenzen.“

In weiteren Seminaren gab Lisa Feil aus Linkenheim Hilfestellungen zur Aufarbeitung der Vergangenheit in Seelsorge und Beratung. Dr. Gerhard Diestel (Darmstadt) führte aus wie er als Allgemeinarzt zunehmend auch psychische Krankheiten erkennen und begleiten muss.

Werner Schäfer (Mittelfranken) gab Tipps für gelingende Beziehungen in Ehe und Partnerschaft. Thomas Wirth (Altburg) befasst sich mit Internetsucht. Der Gemeindeberater Johannes Stockmayer (Metzingen) gab Tipps über den Umgang mit anderen Kulturen.

Gebhard Weik führte als leitender Seelsorger der isbb durch den Tag und stellte die Arbeit der Intitiative vor. Die isbb gehört zum Liebenzeller Gemeinschaftsverband und will der menschlichen Not in den Gemeinden und der Gesellschaft begegnen und Menschen auf dem Weg zu einem erfüllten Leben, gelingenden Beziehungen und neuem Glauben begleiten. Unter Leitung von Gebhard Weik bietet sie in Calw-Hirsau eine Beratungsstelle bei Lebens- und Glaubenskrisen, bei Sinnkrisen,  Verlusterfahrungen, Ängsten und Selbstwertstörungen, bei Beziehungskrisen, bei Depressionen und Burnout an. Außerdem sind Gebhard und Marianne Weik in der Ehe, Familien- und Erziehungsberatung tätig.

Außerdem bieten die Initiative unter www.seelsorgenetz.org ein Suchprogramm an, unter dem Seelsorger und Therapeuten bundesweit vermittelt werden können.


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