„Wenn Gott für dich ist, wie kannst du gegen dich sein?“

| 11.04.2022 |


Seelsorge-Impulstag mit Prof. Hans-Joachim Eckstein

Schwaigern. 80 Personen vor Ort - und Stand Montag über 600 Klicks im Internet - zeigen das Interesse am Seelsorge-Impulstag, den die Initiative Seelsorge-Beratung-Bildung (isbb) in hybrider Form - als Präsenzveranstaltung und mit Livestream - am Samstag, 9. April 2022 im Gemeindezentrum in Schwaigern veranstaltet hatte. Die isbb gehört zum Liebenzeller Gemeinschaftsverband und hat eine Seelsorgeberatungsstelle in der Nähe von Calw.

„Wenn Gott für dich ist, wie kannst du gegen dich sein?“ so das erste Thema von Hans-Joachim Eckstein. Es gäbe Religiosität die befreie und in der einzelne zu einer gesunden Selbstbeziehung fänden. Ausgelöst durch die 68er Jahre habe es gesellschaftlich starke egoistische Tendenzen gegeben, bis hin zu narzisstischen Persönlichkeiten, wo sich einzelne als Mitte der Welt empfänden. Dagegen habe es auch die fromme strenge Richtung gegeben, die den eigenen Willen brechen wolle. Beides sei extrem und schädlich.

Die Grundbestimmung des Menschen vom Schöpfer her sei es, ein Gegenüber zu haben und in Beziehung zu stehen und darin zu leben. „Der Mensch ist nicht an sich, sondern in Beziehung“. Bereits im Werden sei jeder Mensch auf Beziehung zur Mutter angewiesen, das Kleinkind lerne Laufen durch das gehalten werden. Menschen, die keine Zuwendung und liebevolle Hilfe als Kinder erfuhren, hätten viele Probleme im Leben.

Das Grundproblem des Menschen sei in der Ursünde entstanden, wo Menschen sein wollten wie Gott, aber ohne Gott. Sünde sei im Kern nicht das moralisch negative Verhalten, sondern die Trennung von der mich tragenden Beziehung mit Gott. „Im christlichen Glauben wird der Mensch wieder beziehungsfähig“, so Eckstein, „das unerlöste Ich wird nicht durch Verleugnung heil, sondern durch Beziehung.“

In einem Seminar über die Frage was nach dem Kinderglauben kommt, warb Eckstein dafür nicht kindisch zu werden, aber kindlich zu bleiben. Es gelte auch für Erwachsene, wie Kinder Gott zu vertrauen. Die Selbstwahrnehmung eines Kleinkindes sei in Differenziertheit noch nicht möglich. Als Erwachsene gelte es jedoch differenzierter zu denken, eigene Standpunkte zu vertreten. Es gelte auch anzuerkennen, dass es nicht auf alle Fragen Antworten und schon gar keine einfachen Antworten gäbe. Es gelte, Gotteserfahrungen und Erfahrung mit Menschen zu trennen, um nach menschlichen Enttäuschungen nicht im Glauben Schiffbruch zu erleiden. Man müsse sich mit dem eigenen Glauben auseinandersetzen und Widersprüchlichkeiten und Spannungen in einer unheilen Welt aushalten. Dabei müsse der eigene Egoismus erkannt und in die Gemeinschaft mit Christus gebracht werden, damit dieser helfe, jenen Egoismus zu überwinden. Erwachsener Glaube lebe aus Dankbarkeit und Liebe. Christliche Ethik sei nicht nur Gesetzlichkeit, sondern wolle Dank und Liebe für Christus anderen schenken.

Werner Schäfer ging in seinem Seminar darauf ein wie Typus und Temperament den Glauben prägen und zeigte selbstkritisch die Neigung auf, den Glauben durch die eigene Brille zu sehen.

Im Seminar mit Dr. med. Heike Bindner ging es darum Trauma und seine Folgestörung zu erkennen und dann zu verstehen, was Seelsorge tun kann (und was nicht). Die Traumatherapeutin konnte dabei viel aus ihrem Erfahrungsschatz beisteuern.

Zwischen den einzelnen Programmteilen sorgten Hans-Joachim Eckstein und seiner Frau für musikalische Interhaltung, indem sie selbstkomponierte Lieder zum Besten gaben, die Prof. Eckstein an der E-Gitarre begleitete.

Gebhard Weik stellte Hans-Joachim Eckstein in einem Interview vor, in dem Eckstein auch auf ein Erlebnis mit 17 Jahren verwies, bei dem sein Glaube persönlich und existenziell wurde. Als er damals nach Hause kam, merkte er, dass er diese Erfahrung mit anderen nicht teilen konnte, weil sie diese Dichte und Intensität nicht wollten. Auf der Suche nach fehlenden Gesprächspartnern entdeckte er zwei biblische Freunde: den Evangelisten Johannes, und den Apostel Paulus. Bei ihnen fand er seine Entdeckungen und Erkenntnisse wieder und dies brachte ihn zur Theologie aus Christusliebe und Freude am Evangelium.

In einem letzten Referat ging Eckstein auf die Überwindung von Glaubenskrisen ein.

Anhand der österlichen Schilderung von Maria aus Magdala zeigte er auf, wie diese „ihren Jesus“, den sie kannte, als den Auferstandenen zunächst nicht mehr erkannte. Sie wolle das alte zurückholen, das Jesusbild, das sie sich bis dahin gemacht hatte.

Aber dann habe sie erkannt, dass es mehr gäbe, als was wir sehen. Glaube – Liebe – Hoffnung gingen über die persönliche Wirklichkeitswahrnehmung hinaus.

Auf der Internetseite www.isbb.lgv.org kann der Impulstag nochmals angesehen werden.