LGV-Startseite
Veranstaltungen
Rückblicke
Gemeindeaufbautag 2007
Seelsorge - nur etwas für Profis!?
![]() | |
Chefarzt Dr. Rolf Senst von der christlichen Fachklinik De'Ignis (rechts) stellte zusammen mit Gebhard Weik, Leiter der Seelsorge-Beratungsstelle der Liebenzeller Mission, beim Gemeindeaufbautag in Bad Liebenzell Möglichkeiten vor, wie christliche Gemeinden Menschen durch Seelsorge helfen können. (Foto: privat) |
"Gemeinden mit seelsorgerlich aktiven Mitgliedern sind sowohl für Christen als auch für Gemeindeferne attraktiv". Das erklärte der Leiter der Seelsorge-Beratungsstelle der Liebenzeller Mission, Gebhard Weik, vor mehr als 250 Tagungsteilnehmern beim Gemeindeaufbautag am Samstag, 15. Juli 2007, in Bad Liebenzell. Die Nachfrage nach qualifizierter Beratung sei auf jeden Fall riesig. Wissenschaftlichen Studien zufolge haben bis zu zehn Prozent der Deutschen Depressionen, 15 Prozent leiden gelegentlich unter massiven Ängsten, und mehr als fünf Prozent sind alkohol-, tabletten- oder drogenabhängig. Viele Betroffene hofften, dass christliche Gemeinden ihnen Gottes Liebe in Form von Verständnis und Hilfe entgegenbrächten. Gemeinschaften und Gemeinden sollten daher die Gabe der Seelsorge und die damit verbundene Aufgabe neu entdecken und auf die heilenden Kräfte des Evangeliums hinweisen.
Um Menschen helfen zu können, benötige es qualifizierte Seelsorger, die sich in verschiedenen Bereichen ein tiefgründiges Fachwissen aneignen. Sie müssen auch ihre Grenzen anerkennen und wissen, wann medizinische und therapeutische Fachkräfte einbezogen werden müssen.
"Gemeindeaufbau der Zukunft wird von den Möglichkeiten abhängen, angeschlagenen, kranken, verletzten, gescheiterten Menschen zu helfen. Es geht darum, Menschen mit kaputten Beziehungen eine neue Heimat zu bieten, in der sie erleben und erfahren können, was Gnade und Liebe ist", so Gebhard Weik.
Gemeinschaftspastor Thomas Wirth (Calw-Altburg) machte darauf aufmerksam, dass missglückte Gespräche nicht selten auf der Unfähigkeit beruhen, zuhören zu können. Häufig würden die Inhalts- und Beziehungsebene nicht unterschieden. Hilfreiches Zuhören bedeute ein gleichzeitiges Hinhören und Heraushören. Der ganze Mensch müsse in einem Gespräch wahrgenommen werden. Ein Gespräch gewinne an Substanz, wenn jeder versuche, das Problem aus dem Blickwinkel des Gegenübers zu betrachten. "Den anderen lerne ich nur zu verstehen, wenn ich erfahre, was er will", so der Theologe.
Der Chefarzt der christlichen Fachklinik De'Ignis, Dr. Rolf Senst (Egenhausen/Nordschwarzwald), verwies darauf, dass eine psychische Krankheit ein häufiges Phänomen sei, das jeden Gesunden genauso treffen könne wie körperliche Krankheit. "Mich kann es genauso treffen und mir kann genauso geholfen werden wie meinem Gegenüber", sagte der christliche Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Ein Mensch gelte als gesund, dem eine Balance zwischen den an ihn gestellten Lebensanforderungen einerseits und seinen Bewältigungsmöglichkeiten andererseits gelinge. Verkündiger sollten nach Ansicht von Rolf Senst vor allem vermitteln, dass es "gut ist, ja, dass es sogar Freude macht, mit diesem Gott zu leben!"
Nach Ansicht des Inspektors des Süddeutschen Gemeinschaftsverbandes, Ernst Günter Wenzler (Stuttgart), sollten Gemeindeleiter auch auf ihre eigene seelische Gesundheit achten. Der Wunsch, gut zu funktionieren, führe häufig zu vorzeitigem Kräfteverschleiß, Resignation und Erschöpfung.
Die Veranstaltung in Bad Liebenzell stand unter dem Motto "Seelsorge - nur etwas für Profis? - Seelsorge in der Gemeinde - Aufgaben und Chancen". Organisiert wurde sie vom Liebenzeller und Süddeutschen Gemeinschaftsverbandes.
Die Power-Point-Skripte können Sie hier herunterladen:
- Gottesdienst mit Ernst Günter Wenzler (Pass auf dich auf, 4,44 MB)
- Referat mit Gebhard Weik (Seelsorge in der Gemeinde, 219 KB)
- Seminar mit Dr. Rolf Senst (Gesunde Krankheit, kranke Gesundheit, 4,03 MB)


