
Prof. Dr. Volker Gäckle sprach darüber, wie Männer heute (über-)leben können

Die Oathtown-Bluegrassband aus Lörrach begeisterte die Besucher
Bad Liebenzell. „Die sogenannten ‚besten Jahre’ sind oft die anstrengendsten“, so Professor Volker Gäckle am Samstag, 4. Februar beim Männertag des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes vor rund 1.100 Männern. Das Thema lautete: „Als Mann (über-)leben zwischen Familie, Beruf, Gemeinde, Verein.“ Der Rektor der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL) schilderte die Spannung, in der Männer heute leben durch die veränderten Rollenbilder und die Erwartung, alles gleichzeitig gut schaffen zu wollen. „Männer haben ein leistungsbezogenes Selbstwertgefühl“, so der Referent. Wenn es in der Lebensmitte an einem Punkt zum Scheitern komme, sei die Krise da.
Volker Gäckle ermutigte, sich der Krise der Lebensmitte zu stellen: „Eine Krise ist nichts Peinliches.“ Es helfe weder die Flucht daraus, noch am Vergangenen starr festzuhalten. Stattdessen empfiehlt er, zu seinen Grenzen zu stehen und nach dem Sinn zu suchen, sich zu fragen: „Warum hetze ich mich ab?“ „Es ist der Sinn, der uns überleben lässt.“ Als wichtigen Punkt nannte er, die Krise als Herausforderung und Berufung zu erkennen, um zum Eigentlichen des Lebens vorzudringen und Gottes Reden wieder neu zu hören. Die zweite Lebenshälfte wäre stärker davon geprägt, aus Gottes Barmherzigkeit zu leben, „gerecht aus Glauben“ zu werden, nicht aus eigenem Tun.
13 Seminare bereicherten den Männertag mit einem breiten Spektrum. Zum Beispiel „Wenn das traditionelle Familienbild zerbricht“; „Angst haben nur Frauen …“ ;oder „Mein Chef bzw. mein Kollege ist schwierig“. „Bisch g’sund?“ dazu konnte der Arzt Dr. Thomas Schmid gewonnen werden. Das Seminar „Reden wir mal ganz offen über Sex“ hielt Rolf Trauernicht, Leiter „Weißes Kreuz“ (Sexualethik und Seelsorge) in Kassel.
Jürgen Großmann, Oberbürgermeister in Nagold, stellte sich dem Thema „Wie viel Ehrlichkeit verträgt die Politik?“ Bei seinen Ausführungen wurde die Gelegenheit, Fragen zu stellen, reichlich genutzt.
Zu der Frage „Wie starte ich einen Männerkreis“ bot Klaus Ehrenfeuchter aus Calw ein Seminar an. Er betonte: „Männer brauchen andere Männer, denen sie vertrauen können. Männergruppen kommen dort gut an, wo solch ein Vertrauen entstehen kann.“ Ehrenfeuchter ist Leiter des Fachbereichs Gemeinschafts-/Gemeindearbeit im Liebenzeller Gemeinschaftsverband und damit auch zuständig für die Gestaltung des Männertags. Er moderierte zusammen mit Jörg Breitling aus Loßburg die Veranstaltung.
Die Oathtown-Bluegrassband aus dem Markgräfler Land beeindruckte mit echter, handgemachter Musik. Mit Mandoline, Gitarre, Kontrabass, Banjo und Gesang brachten die vier begeisterten Musiker das Flair des Amerikas der Dreißigerjahre in die Männerversammlung. In den Bergen von Kentucky entstand die Musikrichtung "Bluegrass", ein Vorläufer der Countrymusik.